Flora und Fauna des Monte Baldo

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Verfasst von
Karl Trawoeger

Ich möchte ihnen gerne einen Beitrag über die Flora am M.Baldo mit auf den Weg geben.

Wenn sie sich schon am M.Baldo befinden um auf einen Gipfel zu steigen oder einen Rundgang mit ihren Kindern, eine leichte oder schwierige Bergwanderung machen, kommen sie an der einmaligen Flora des M.Baldo, auch Botanischer Garten Europas genannt, nicht vorbei. Ich bin sicher, auch wenn sie Zeit verlieren um ihr geplantes Ziel zu erreichen, werden sie bestimmt beim Fund eines Edelweiss- oder eines Steinbrech-Gewächses anhalten, um es zu betrachten oder zu fotografieren. Es ist bekannt, daß Bergsteiger und Wanderer sich auch als Naturliebhaber sehen. Ausnahmen bestätigen die Regel, das ist leider nichts Neues.

Ich bin natürlich nicht in der Lage ihnen nun einen botanischen Führer mitzugeben, aber ich möchte Sie gerne mit den gesetzlichen Bestimmungen etwas vertrauter machen, damit sie bei einer Kontrolle durch die Forstbeamten, die sehr rigoros sind, nicht in die Mühle des Gesetzes geraten. Es gibt am M.Baldo ausgewiesene Naturschutzgebiete, die fallen wie üblich unter Staatseigentum. Der Rest ist Gemeindebesitz auf dem zum Teil Almwirtschaft betrieben wird. In guten Wanderkarten ist das meist deutlich eingezeichnet. In den Naturschutzgebieten können sie jeden markierten Wanderweg oder jede Kletterroute benützen, aber es sind keine Touren abseits erlaubt. Sie müssen den markierten Wegen folgen, keine Pflanzen oder Steine Pilze u.s.w. mitnehmen. Nichtbefolgung führt zur Anzeige vor Gericht mit Strafprozess, der sehr ungute Folgen haben kann. Im übrigen Gelände, Almwiesen etc. können Sie jeden Weg wählen der Ihnen am besten zusagt. Auf diesen Wiesen finden Sie die schönste Flora aber sie sollten bevor sie Blumen pflücken sicher sein daß, die Pflanze nicht unter Naturschutz steht.

Ich will nur drei Gattungen anführen, die strickt geschützt sind. Die Nr. 1 ist jede Orchidee (diese Blume steht unter dem Schutz des Washingtoner Abkommens, welches von ca. 400 Staaten unterzeichnet wurde), bei abpflücken folgt Anzeige vor Gericht, eine Geldstrafe wird erst gar nicht in Betracht gezogen.Ausgraben etc. endet meist mit einer Haftstrafe. Bei Steinbrech- sowie Dickblattgewächsen (Hauswurze) und einigen Lilienarten kommen sie in der Regel mit einer Geldstrafe davon. Sie können sich kostenlos eine Liste bei der Forstverwaltung besorgen, auf der alle unter Naturschutz stehenden Pflanzen angeführt sind und daher nicht gepflückt oder ausgegraben werden dürfen.

Ein guter Rat von mir: lassen Sie doch diese Wunderwerke der Natur wo sie sind, dort gehören sie hin.

Ich wünsche allen schöne Wanderungen oder Klettertouren mit einem Berg - Heil!

Wenn die Flora vorgestellt wird, sollte man auch einen kleinen Einblick in die Fauna geben. Es dürfte nicht sehr schwer sein für ein scharfes Auge im Hochgebirge Gemsen auszumachen. Die Gemse wurde am M.Baldo vor Jahren ausgewildert, und das mit großem Erfolg. Sie wurde nach wenigen Jahren zur größten Wild-Population am M.Baldo mit dem zusätzlichen Plus-Punkt, das es am M.Baldo jetzt auch wieder ein Steinadler Paar gibt, das sich fix einen Niestplatz einrichtete. Nicht zu übersehen sind die Murmeltiere, von denen es eine ganze Menge gibt. Rund um Colma sind ihre Bauten zu finden. Wenn man Geduld hat, ist es leicht sie zu beobachten. Die Tiere sind nähmlich sehr neugierig und sind an den Menschen gewöhnt und bleiben meist nicht lange in ihrem Bau. Es gibt noch Rehe, eine Damhirsch-Art, Wildhasen, Fasane.

Auch Fuchs und Dachs sind anzutreffen, der letztgenannte in tieferen Regionen. Die weitaus grösste Tierpopulation sind die Vögel. Es gibt vom Raubvogel bis zur Waldschnepfe einfach von allem etwas. Nach letzten Berichten sollen es ca. 153 Arten sein.

Die Angaben dazu laufen weit auseinander, ich persönlich glaube, daß es keine zuverlässigen Zählungen gibt. Ein Hinweis: sollten sie ein Nest mit Eiern finden, berühren sie bitte nichts! Sie würden die Brut die da heranwächst damit zum Tode verurteilen, da die Muttertiere das Gelege dann nicht mehr weiter bebrüten würden. Ein anderes Beispiel ist der Spielhahn: wenn sie seinem Nest zu nahe kommen, fliegt die Henne vor ihnen auf und versucht damit, sie vom Gelege wegzulocken.

Nun zu einer Tierart die im allgemeinen nicht sehr beliebt ist: die Schlange. Am M.Baldo gibt es einige Arten, harmlose Nattern, aber auch Giftschlangen. Die Kreuzotter mit ihren verschiedenen Arten gibt es hier häufig. Es werden sehr wenige Schlangenbisse gemeldet, da die Tiere sehr scheu sind und meistens schon weg sind, wenn sie sich nähern. Aber man sollte trotzdem immer Vorsicht walten lassen. Wenn sie sich irgendwo auf einen Stein setzen möchten, klopfen sie mit ihren Wanderstock doch einmal kräftig auf diesen Stein, damit sie sicher sein können, daß das Tier verschwindet. Sie werden es nicht glauben, aber 95 % der Bisse bekommen die Hände und Arme ab. Eine einfache Erklärung: sie setzen sich neben einen Stein oder ein Diestelgewächs, ohne vorher mit ihren Stock Ordnung geschaffen zu haben. Sie werden das Reptil nicht sehen, weil es sich sehr gut versteckt. Nun holen sie irgendetwas aus ihrem Rucksack und nähern sich dabei mit ihrer Hand dem Versteck. Die Schlage wird unter diesem Umstand sicher zuschnappen. Sollte das passieren, bewahren sie Ruhe. Wenn sie sich sicher sind, daß sie keine Mundverletzung haben, dann saugen sie die Bißstelle aus, binden den Arm über der Bißstelle ab, rufen sie die Försterei an und suchen sie so schnell wie möglich das nächste Krankenhaus auf. Zum Schluss: der Biss einer Kreuzotter ist nicht tödlich, eine Ausnahme sind Kleinkinder. Ich möchte auch ihren Liebling, den Hund, nicht vergessen. Im Naturschutzgebiet ist er nur an der Leine erlaubt, freilaufend kann er erschossen werden.

Nun wünsche ich ihnen, daß sie das eine oder andere Tier zu sehen bekommen, außer unsere Almkühe, die aber auch ihren Charm besitzen!

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