Yoga

Yoga und Meditation am Gardasee

Wir sprechen über Sport, Natur, Achtsamkeit und Entspannung mit der Yogalehrerin Paola Ruffini

  • 23.02.2022
  • Interview
Text und Bilder

Angela Trawoeger und Paola Ruffini

Sport in der Natur ist Entdeckung und Erkundung. Wenn du uns schon eine Weile verfolgst, weißt du, dass jeder Moment, den wir im Wald, vor einem Bergpanorama oder beim Surfen auf einem See verbringen, eine Gelegenheit ist, uns selbst besser kennenzulernen und uns lebendiger zu fühlen.

Wir treiben Sport, um uns auszutoben, um uns zu entspannen, um neue Energie zu tanken und um uns zu erholen. Aber ab einem bestimmten Punkt hören unser Zeitgefühl und unsere Gedanken auf und wir fühlen uns völlig frei und ganz im Moment. Ist das Meditation? Passiert das, weil wir im Einklang mit der Natur sind?

Vor ein paar Monaten hatte ich das Vergnügen, Paola kennenzulernen, eine Yogalehrerin und Ausbilderin für die Buteyko-Methode, die die Natur genauso liebt wie wir. Paola hat 8 Jahre lang in Deutschland gelebt und studiert und dabei verschiedene Yogastile ausprobiert, von statisch-meditativ bis hin zu dynamisch und sportlich: Sie hat sich auf Vinyasa Yoga spezialisiert, das durch fließende, mit der Atmung koordinierte Bewegungen charakterisiert ist. Seit 2021 lebt und unterrichtet sie Yoga in Malcesine am Gardasee.

Ich habe Paola zu Yoga und Meditation interviewt, um die Verbindung zwischen Mensch und Natur im Sport und in der Disziplin, die sie unterrichtet, besser zu verstehen.

Hallo Paola – kann man den Zustand der Gedankenlosigkeit, den man beim Sport erlebt, mit Meditation gleichsetzen?

Ich würde sagen, ja. Dieser Zustand, den du erwähnst, erinnert mich an den zweiten Vers des Yogasutra, in dem Patanjali, der Vater des Yoga, beschreibt, wie wir die Schwingungen unseres Geistes kontrollieren können.

Wir sind oft überreizt, weil unser Geist ständig in Aktivität ist. Wir fragen uns zum Beispiel, wie wir uns einem Freund gegenüber verhalten sollen, wie wir ein Problem lösen können oder sogar, was es zum Abendessen geben soll. Dieser ständige Gedankenfluss erlaubt es uns nicht, den Augenblick auf verständnisvolle Weise zu leben.

Wenn unser Geist aktiv ist, identifizieren wir uns mit unseren Gedanken, aber wir sind nicht unsere Gedanken, und Yoga kann uns helfen, diese Identifikation zu überwinden. Mit einem ruhigen Geist können wir mit Frieden und Wohlbefinden experimentieren.

Im Hier und Jetzt zu leben, verändert unsere Erfahrung und unseren Zugang zur Natur und damit auch die Art, wie wir Sport treiben. Bei einem Waldspaziergang zum Beispiel können wir über die Leistung dieser Sportart und den Grund dafür nachdenken, oder ich kann die Reise genießen, indem ich die Farben und Formen des Waldes beobachte oder seinen Geräuschen zuhöre. Auf diese Weise kann man langsam lernen, langsamer zu werden und sich wirklich als lebendiger Teil der Natur zu fühlen.

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Was ist Yoga?

Das Wort Yoga kommt aus dem Sanskrit und bedeutet wörtlich übersetzt Vereinigung, aber auch Einheit und Einzigartigkeit. In spiritueller Hinsicht bedeutet dies die Vereinigung des individuellen Bewusstseins mit dem universellen.

Es geht um eine lange, tiefe Reise, die Patanjali in 8 Punkten zusammenfasst: Ethische und moralische Grundsätze gegenüber uns selbst und anderen (Yama und Niyama), Körperstellungen (Asana), Atem- und Energiekontrolle (Pranayama), Kontrolle unserer Sinne (Pratyahara), Konzentration (Dharana), Meditation (Dhyana) und schließlich spirituelle Erleuchtung (Samadhi).

Im Yoga, den wir im Westen praktizieren, sind die am meisten geübten dieser 8 Punkte vor allem Asana, Pranayama und Dhyana. Viele kommen zum Yoga, weil sie von den körperlichen Positionen fasziniert sind, und entdecken dann, wenn sie diese üben, so viel mehr.

Yoga ist eine Disziplin, von der man immer wieder etwas lernen kann. Es hilft, sich selbst besser kennen zu lernen, die eigenen Grenzen zu überwinden und alles loszulassen, was man nicht mehr braucht. Es bringt unsere Exzesse wieder ins Gleichgewicht, schenkt Harmonie und Wohlbefinden.

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Gibt es eine Verbindung zwischen Yoga und Natur?

Ja, auf jeden Fall. Die Yoga-Philosophie fordert Respekt, Einbeziehung und Dankbarkeit gegenüber Mutter Natur.

Sich von der Natur zu entfernen, schadet dem Menschen, und die regelmäßige Praxis von Yoga hilft uns zu verstehen, dass wir Teil der Natur sind und dass wir in diesem besonderen Moment das Bedürfnis haben, uns wieder mit ihr zu verbinden. Wir müssen uns nämlich daran erinnern, dass sich die Welt nicht um uns dreht.

Die Verbindung mit der Natur ist auch auf körperlicher Ebene präsent: In den Asana finden wir Wurzeln, Gleichgewicht, Stabilität und Leichtigkeit. Denken wir zum Beispiel an die Stabilität der Position, die Berghaltung genannt wird, und an die Verbindung zwischen stabilen Wurzeln und dem Vorstoß in den Himmel in der Baum-Position.

Was sind die Asanas und warum sind sie wichtig?

Die Asanas sind Körperstellungen, die wir beim Yoga einnehmen. Jede Asana wirkt auf körperlicher und geistiger Ebene: Einige Positionen geben uns Energie, andere helfen uns, uns zu entspannen. Wieder andere helfen uns, die Konzentration aufrechtzuerhalten und Stabilität, Kraft und Gleichgewicht zu finden.

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Die Vorwärtsbeugen zum Beispiel helfen bei der Körperhaltung und haben eine unmittelbare Wirkung auf unsere Stimmung und verleihen viel Vitalität. Die nach vorne gefalteten Positionen verlängern die Wirbelsäule und sind fantastisch für den Abend oder wenn man sich tagsüber entspannen möchte.

Lass uns ein bisschen über Meditation sprechen

Lass uns mit dem Mythos aufräumen, dass man stundenlang mit geschlossenen Augen im Schneidersitz sitzen muss und dabei sogar nass werden darf, wenn es regnet.

Meditation ist für jeden möglich, es genügt, eine stabile und bequeme Position zu finden (sogar auf einem Stuhl sitzend) und sich mit der Gegenwart zu verbinden. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Gedanken innezuhalten und sich nicht mehr in die Vergangenheit oder Zukunft zu projizieren: Du kannst auf deinen Atem hören oder etwas visualisieren, du kannst ein Mantra rezitieren oder einer geführten Meditation folgen.

Es genügt, dies jeden Tag ein paar Minuten lang zu tun, um die ersten Vorteile zu spüren: Meditation verbessert die Konzentrationsfähigkeit und das Gedächtnis, hilft dir, deinen Geist zu befreien und mit deinem tiefsten Selbst in Kontakt zu kommen.

Durch die Meditation wird dein Geist ruhiger und stiller und du erreichst eine Ebene des Friedens, die wir mit ein wenig Übung den ganzen Tag über erreichen können.

Welche Rolle spielt die Atmung im Yoga?

Sie ist grundlegend. Heutzutage atmen die meisten Erwachsenen schlecht, ohne sich dessen bewusst zu sein. Ich begrüße das Aufkommen eines gesünderen Lebensstils, bei dem auf Bewegung und Ernährung geachtet wird, aber der Atmung wird wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Und das mit dem Wissen, dass wir ohne Atmung nur wenige Minuten leben können.

Die Yoga-Atmung ist ausgedehnt, langsam, regelmäßig und effizient.

Eine gute Atmung wirkt sich nicht nur auf den emotionalen Zustand aus und beruhigt die Gedanken, sondern fördert auch die Verdauung, das Herz und die korrekte Arbeit des Zwerchfells: Durch richtiges Ein- und Ausatmen erhält das Körpergewebe mehr Sauerstoff und entsorgt mehr Kohlendioxid, die Muskeln werden flexibler und sportliche Aktivitäten fallen leichter, da man weniger schnauft.

In meinen Yogastunden verwende ich auch Übungen nach der Buteyko-Methode, um die Atmung zu trainieren und das richtige Gleichgewicht von Sauerstoff und Kohlendioxid im Blutkreislauf zu erhalten. Diese Übungen sind sehr nützlich für alle, die an Asthma oder anderen Atemwegserkrankungen leiden, wie z.B. Long Covid.

Yoga mit Paola

Yoga und Meditation können also deine sportlichen Fähigkeiten fördern?

Absolut. Yoga fördert deine Kraft, dein Gleichgewicht, deine Flexibilität, deine Beweglichkeit und deine Widerstandsfähigkeit, und wenn du Yoga zu deinem Sporttraining hinzufügst, wirst du große Vorteile feststellen. Außerdem lernt man beim Yoga, die Bewegung des Körpers im Raum zu spüren, und diese sensorische Wahrnehmung hilft bei der Bewegung im Sport.

Wie fange ich mit Yoga an und worauf muss ich achten?

Ich empfehle dir, mit einem Experten zu beginnen, der es versteht, dich anzuleiten, zu ermutigen und dich zu unterstützen. Ein guter Yogalehrer wird dich nicht mit zu komplizierten Asanas entmutigen und dir gleichzeitig zeigen, wie du die Positionen ausführen kannst, ohne dich zu verletzen, indem er deinen Körper respektiert, dich sanft führt und immer versucht, deine Komfortzone zu erweitern.

In den Yogastunden geht es nicht um Vergleiche oder Wettbewerbe – die Aufmerksamkeit liegt immer auf deiner persönlichen Reise.

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Mein Interesse ist es, dich beim Beginn deiner Reise zu unterstützen und dir die Instrumente an die Hand zu geben, damit du eines Tages in der Lage bist, diese Übungen unabhängig zu machen und Geist und Körper auf gesunde Weise zu verbinden, wann immer du möchtest.

Ich lebe in Malcesine am Gardasee und unterrichte Vinyasa Yoga sowohl online als auch persönlich auf einer malerischen Terrasse. Ich freue mich darauf, mit dir bei diesem herrlichen Blick auf die Berge und den See Yoga zu praktizieren.

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